Novelle der VermV

„Wir machen den Alltag einfacher”

GeoNews hat mit den Produktmanagern von rmDATA über Vermessungsverordnungen, den strukturierten Plan und Lösungen für Vermesser gesprochen.

 

GeoNews: Bereits seit einigen Monaten ist eine Novelle der Vermessungsverordnung im Gespräch, ein öffentlich zugänglicher Entwurf liegt aber noch nicht vor. Inwieweit nehmen Sie in Ihrer Arbeit bereits Bezug darauf?
Thomas Marschall: Wir sind laufend in Kontakt mit den zuständigen Mitarbeitern beim Bundesamt für Eich- und Vermessungswesen. Wie wir bei der VermV 2016 gesehen haben, liegen manchmal nur wenige Wochen zwischen der Veröffentlichung und dem Inkrafttreten einer Verordnung. Damit wir unseren Kunden rechtzeitig neue Programmversionen zur Verfügung stellen können, müssen wir uns schon vor der Veröffentlichung mit neuen Normen, Verordnungen und Gesetzen beschäftigen. Schließlich ist es unser Anspruch, unseren Kunden jederzeit Software zur Verfügung zu stellen, mit der sie normgerecht produzieren können.

Nach Veröffentlichung der Vermessungsverordnung 2016 dauerte es aber ein paar Wochen, bis Urkunden ohne Beanstandung bescheinigt wurden.
Christian Punz: Das ist richtig. In diesem Fall waren wir mit der Umsetzung sehr schnell – sogar zu schnell. Bei der praktischen Umsetzung der Verordnung zeigte sich, dass das neue Format für das Liefern von Koordinatendateien nicht per Stichtag genutzt wurde, sondern dass eine Übergangsphase notwendig war. Hier haben wir sicher dazugelernt: Wenn es Änderungen von Normen gibt, unterstützten wir künftig eine Zeit lang die „alte“ und die neue Norm parallel. So sind unsere Kunden flexibler bei der Datenlieferung. Insgesamt haben wir aber auch hier sehr schnell reagiert und in Abstimmung mit dem Bundesamt und unseren Anwendern eine gute Lösung gefunden.

Was erwartet die Ingenieurkonsulenten mit der kommenden Novelle der Vermessungsverordnung?
Thomas Marschall: Der Kern der neuen Verordnung wird die Einführung des strukturierten Plans (STP) sein. Daneben wird es kleinere Anpassungen geben, die die gelebte Praxis im Vermessungsalltag besser abbilden sollen.

 

Der strukturierte Plan, was darf man sich darunter vorstellen?
Thomas Marschall: Durch den STP soll es den Vermessungsämtern künftig möglich sein, Daten aus Vermessungsurkunden automationsunterstützt auszulesen und weiterzuverarbeiten. Das bringt einerseits eine Arbeitserleichterung und minimiert andererseits Fehlerquellen. Aber anders als der Name vermuten lässt, werden in einem ersten Schritt nur Sachdaten, und keine Plandaten, strukturiert. Das heißt, u. a. die Gegenüberstellung und das Koordinatenverzeichnis werden im STP in die PDF-Urkunde so eingebunden, dass die Daten beim Vermessungsamt ausgelesen werden können.

Das klingt nach einer tiefgreifenden Neuerung. Was wird sich für den Ingenieurkonsulenten, der eine Vermessungsurkunde erstellt, ändern?
Thomas Marschall: Wenn wir als Softwarehersteller unsere Arbeit gut machen, wird sich für den Planersteller wenig ändern. Er liefert ja weiterhin eine PDF-Urkunde. Dafür, dass darin die Daten in der gewünschten strukturierten Form enthalten sind, sorgen wir mit unseren Programmen. Glücklicher Weise haben wir mit rmKATOffice (für Teilungsausweise), rmGEO (für Koordinatenverzeichnisse) und rmDATA GeoProject (für die ergänzenden Metadaten) bereits jetzt alle Voraussetzungen, um die geforderten Daten bereit zu stellen.


Eine Änderung wird sich aber sicher hinsichtlich der Flexibilität bei den Gegenüberstellungen ergeben. Da wir uns natürlich an die Vorgaben des BEV halten müssen, werden Gegenüberstellungen künftig einheitlicher als bisher aussehen.


Christian Punz: Bei rmGEO wird es ebenfalls eine Änderung geben. Wenn ein Planverfasser einen strukturierten Plan liefert, entfällt künftig die zusätzliche Lieferung der Punktkoordinaten im csv-Format. Diese Daten sind dann im STP enthalten. Wenn ein Planverfasser aber wie bisher liefert und den strukturierten Plan nicht nutzt – was weiterhin möglich sein wird –, kann er natürlich weiterhin mit rmGEO die Koordinatendatei im csv-Format erstellen.

Wird sich mit der neuen Vermessungsverordnung die Plandarstellung verändern?
Petra S. Ritter: Soweit wir bisher wissen, wird es nur geringfügige Anpassungen geben. Es soll sich die Darstellung neu vermarkter Grenzpunkte ändern. Derzeit sind diese im Teilungsplan vollständig in rot darzustellen. Diese Darstellung, die wir aktuell umgesetzt haben, entspricht der gültigen Verordnung und wird vom BEV derzeit auch so gewünscht. Künftig will man hier aber wieder auf die zweifärbige Darstellung zurückgehen.
Für uns bedeutet das, dass wir die Konfiguration für Teilungspläne in Österreich anpassen werden, sobald die neue Verordnung vorliegt.

Wie gehen Sie im Allgemeinen mit Wünschen der Anwender zu Produkterweiterungen oder -anpassungen um?
Petra S. Ritter: Wir schätzen das Feedback der Anwender unserer Produkte sehr und sind in vielen Bereichen auch darauf angewiesen, damit wir unsere Produkte noch besser machen können. Leider können wir nicht alle Wünsche sofort umsetzen. Daher reihen wir sie und setzen sie nach und nach um. Bei der Reihung berücksichtigen wir natürlich auch, inwieweit die Anfragen mit aktuellen Normen vereinbar sind und ob gleiche Wünsche von mehreren Anwendern kommen. Diese Punkte setzen wie zuerst um.


Können Sie dafür ein Beispiel nennen?

Petra S. Ritter: Zuletzt haben wir auf Basis von Kundenrückmeldungen die Darstellung des Netzbildes erweitert. Im Netzbild ist es nun ganz einfach möglich, das Messgebiet darzustellen oder die Katastergrenzen der betroffenen Grundstücke zu visualisieren.

Wie sind die Planungen für kommende Versionen der rmDATA-Produkte für Vermessungsbefugte?
Christian Punz: Sobald die Vermessungsverordnung vorliegt, werden wir die notwendigen Schritte setzen, damit unsere Kunden beim Inkrafttreten der neuen Verordnung weiterhin normgerecht liefern können. Unser Ziel ist es, dass sich der einzelne Anwender keine Gedanken um die Details der Verordnung machen muss, sondern sich darauf verlassen kann, dass er immer am aktuellen Stand ist, wenn er Software von rmDATA einsetzt.

 

Thomas Marschall: Die Möglichkeiten für das Umsetzen des strukturierten Plans haben wir uns bereits jetzt sehr genau angeschaut. Sobald die Schnittstellenbeschreibung in einer endgültigen Form vorliegt, werden wir die Umsetzung neuer Programmversionen beginnen. Durch die umfangreichen Vorbereitungen, die wir bereits getroffen haben, werden wir dann sehr rasch reagieren können.

 

Das ist sicher im Sinne unserer Kunden. Viele möchten die Vergünstigungen bei den Planbescheinigungsgebühren, die in Aussicht gestellt worden sind, gerne nutzen und daher bald auf den strukturierten Plan umsteigen.


Petra S. Ritter: Wie schon in der Vergangenheit werden wir unsere Kunden per Newsletter informieren, sobald die neuen Programmversionen verfügbar sind. Und dann bieten wir für neue Programmversionen auch Follow-Up-Schulungen, die sehr gut angenommen werden. In diesen Schulungen gehen unsere Service-Mitarbeiter auf die Neuerungen in den Produkten ein und erklären dabei auch, wie Änderungen in Gesetzen oder Verordnungen umgesetzt wurden.

Ich komme nochmal auf den strukturierten Plan zu sprechen. Gibt es hier auch Überlegungen, die Plandarstellung in strukturierter Form zu liefern?
Thomas Marschall: Das Projekt des BEV ist in mehrere Phasen unterteilt. Nach der Umsetzung der ersten Phase ist in weiterer Folge geplant, auch die Plandaten so zu liefern, dass diese automatisiert übernommen werden können. BEV-intern, wo rmDATA GeoMapper österreichweit erfolgreich eingesetzt wird, wird gerade die digitale Datenübernahme getestet. Das BEV nutzt dafür das Format der Vordurchführungsebene und die Funktionalität von rmDATA GeoMapper. Die technischen Voraussetzungen für eine strukturierte Lieferung von Vermessungsurkunden sind also schon heute geschaffen.

Vielen Dank für diesen interessanten Einblick hinter die Kulissen von rmDATA Vermessung!

Petra S. Ritter ist Produktmanagerin für rmDATA GeoMapper
Christian Punz ist Produktmanager für rmGEO & rmNETZ
Thomas Marschall ist Produktmanager und Gesamtverantwortlicher in der Technik bei rmDATA Vermessung. In dieser Funktion ist er auch in ständigem Kontakt mit den Mitarbeitern des BEV

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